Frühling

"Was hat dich bewogen, deine Meinung zu ändern?" fragte ich ihn. Er stand vor mir, die Schultern zusammengezogen, den Kopf abgewandt, die Arme vor dem Körper und die Hände ineinander verschlungen. Schüchtern schwieg er. Ich trat näher an ihn heran, senkte den Kopf, bis mein Mund ganz nahe an seinem Ohr war. "Du hast doch deine Meinung geändert, oder?" Er mußte meinen Atem auf seinem Hals fühlen können. Er schwankte ein wenig. "Willst du mich nicht ansehen?" Er schien sich noch weiter in sich zu verkriechen. Dann hob er langsam sein Gesicht zu mir. "Du hattest Recht. Ich will es. Ich will es genauso sehr wie du. Ich will dich." Mit dem letzten Satz wurde seine Stimme fast unhörbar. Mir reichte es als Aufforderung. Ich öffnete seine Jacke und zog dabei sanft seine Hände auseinander. "Zieh die Jacke aus." sagte ich leise und half ihm dabei. Wir ließen sie achtlos auf den Boden fallen. Endlich sah er mich direkt an. Seine wunderschönen grauen Augen mit den langen Wimpern. Wie ängstlich sie noch blickten. Ich hob die Hände an seinen obersten Hemdenknopf. "Darf ich?"
Er nickte fast unmerklich. Ich öffnete den Knopf, den nächsten, den übernächsten. Beim Vierten hielt ich kurz inne und sah ihn an. Er bewegte sich keinen Millimeter. Ich öffnete den Rest und schob das Hemd über seine Schultern. Er hatte nichts darunter an, so daß ich zusehen konnte, wie der langsam an seinem Körper herunter gleitende Stoff eine Gänsehaut auf seiner Haut verursachte. Seine Brustwarzen waren dunkelrot und hart. Ich legte meine Fingerspitzen gegen seine Brust und berührte sie zart mit den Daumen. Er atmete kurz und heftig aus. Ich lächelte. Er schloß seine Augen. Ich sah seine Hände zittern. "Berühr' mich." flüsterte ich. Er hob die Hände, legte sie mir auf die Schultern und begann abwesend, sie zu streicheln. Ich fuhr mit den Fingerspitzen an seinem Körper hinab und legte meine Hände auf seine Hüften. Dann kniete ich mich vor ihn und sah zu ihm auf. Er hatte die Augen wieder geöffnet und sah mich erstaunt an. Ich öffnete seinen Gürtel. Ich öffnete den Reißverschluß seiner Jeans. Ich öffnete den Knopf. Er hatte noch immer seine Hände auf meinen Schultern. Sein Streicheln war zu einem sanften Massieren geworden. Ich zog seine Hose herunter und dann seine Unterhose. Ich half ihm, sich ganz auszuziehen. Ich stand wieder auf. Verwirrt sah er mich an. Dann wurde er rot, als ihm bewußt wurde, daß er nackt vor einem angezogenen Mann stand. Er nahm seine Hände von meinem Körper und ließ die Arme sinken. Jetzt legte ich ihm die Hände auf die Schultern und begann von dort, seinen Körper zu erkunden. Ich streichelte seine Arme herab und wieder hinauf. Ich bedeckte seine Brust mit meinen Händen, drückte sie zart. Etwas härter. Ich glitt herab zu seinen Hüften, um ihn herum und legte meine Hände auf den Ansatz seiner Hinterbacken. Ich zog ihn an mich heran. Ich ließ ihn spüren, daß ich bereits genauso hart war wie er. Ich beugte mich zu ihm hinunter und er hob mir sein Gesicht entgegen. Er wollte geküßt werden, er wünschte sich, daß unsere Lippen sich endlich berührten. Ich wußte es, denn mir ging es genauso. Und so küßte ich ihn. Aus der süßen, zarten Annäherung wurde schnell Leidenschaft, viel zu schnell. Ich wollte ihn endlos küssen, ihn sanft erkunden, ihn verführen. Aber er wollte nicht zärtlich verführt werden. Nicht mehr. Ich fühlte seine Hände, die eine im Nacken, damit ich ihn ja nicht losließe, nur nicht zu küssen aufhörte. Die andere an meinem Hosenbund. Ich schob ihn von mir weg. Er stand vor mir, heftig atmend, sein Gesicht gerötet. Er wollte nicht aufhören, wollte alles, sofort. Ich zog mein Shirt über den Kopf. Ich öffnete meine Hose, zog sie zusammen mit den Schuhen und Socken aus. Wir waren jetzt beide nackt. Sein Atem hatte sich wieder normalisiert. Er streckte seine Hände nach mir aus, berührte meine Haut. Ich ließ ihn gewähren. Dann nahm ich ihn in meine Arme und wir standen da, hielten uns umschlungen und lauschten jeder dem Atem des anderen.
Ohne es richtig zu merken ließen wir uns langsam auf den Boden sinken. Ich hielt ihn im Arm, ich hielt ihn endlich im Arm! Unsere Beine waren verschlungen, unsere Hände liebkosten jedes Stückchen Haut, das sie erreichen konnten. Wir küßten uns. Ein Kuß ohne Anfang und ohne Ende. Schließlich folgten unsere Lippen den Spuren unserer Hände. Ich erkundete seinen Körper, während er sich mir bereitwillig darbot. Ich küßte sein Kinn, seine Kehle und streifte kurz seine Schultern. Ich küßte die sanften Hügel seiner Brust und spielte kurz mit den Brustwarzen. Ich folgte den Bögen seiner Rippen und wanderte weiter hinab. Ich war berauscht von der zarten Haut seines Bauches unterhalb des Nabels. Ich war meinem Ziel jetzt so nahe, doch ich zögerte. Ihn dort zu berühren würde aus dem Spiel, das es bis jetzt war, Ernst machen. Wollte er das wirklich? Ich sah zu ihm auf. Seine Augen waren dunkel vor Leidenschaft, sein Mund leicht geöffnet. "Bitte" flüsterte er. Ich nahm ihn in den Mund. Seine Finger wühlten in meinem Haar. Jeder Muskel in seinem Körper schien angespannt. Ich wollte es hinauszögern, auskosten und gleichzeitig wollte ich ihn erlösen. Sein Atem ging heftig. Ich ließ ihn los, küßte seinen Bauch, streichelte seine Schenkel. Ich wartete, bis die erste Welle in ihm abgeebbt war. Ich rutschte höher, bis ich ihn ganz mit meinen Armen umfangen konnte. Mein Gesicht schmiegte sich in seine Halsbeuge, ich genoß seinen Duft. "Ich will dich ganz." flüsterte ich. Er zögerte. Langsam drehte er seinen Körper, bis wir Rücken an Bauch lagen. Plötzlich überkam mich Angst. So viel Vertrauen. Ich streichelte seinen Körper mit der freien Hand, während ich den anderen Arm unter seinem Kopf vor seine Brust legte und ihn noch näher an mich zog. "Ich will dich so sehr." raunte ich in seinen Nacken. Ich rieb mich an ihm. "Darf ich?" Er legte seinen Kopf zurück, versuchte mich anzusehen. "Ich... ja. Bitte, ja." Ich tastete nach meinen Sachen und suchte in den Hosentaschen nach einem Kondom. Ich fand keines. "Komm" sagte ich und stand auf. Er lag auf dem Fußboden meines Wohnzimmers und sah so unendlich verletzlich aus. "Komm" sagte ich noch einmal und bot ihm meine Hand an. Er nahm sie, ließ sich von mir hochziehen. Als er stand nahm ich sein Gesicht in meine Hände und küßte ihn zärtlich auf den Mund. Schließlich nahm ich ihn bei der Hand und führte ihn in mein Schlafzimmer. Er hatte es noch nie vorher betreten, wie mir in diesem Moment bewußt wurde. Und absurder Weise erschien mir dies unendlich bedeutungsvoll. Er krabbelte aufs Bett und drehte sich auf den Rücken. Ich fragte mich kurz, ob er sich seiner Reize eigentlich bewußt war und legte mich neben ihn. "Dreh dich auf den Bauch" sagte ich und begann, nachdem er dies getan hatte, neben ihm liegend seinen Rücken zu streicheln. Ich fing bei den Schultern an und arbeitete mich langsam tiefer. Schließlich fuhr ich mit den Fingerspitzen an seiner linken Hüfte entlang und dann seinen Schenkel hinab bis zur Kniekehle. Den gleichen Weg hinauf und an der rechten Seite wieder hinunter. Ich glaubte die Schauer zu fühlen, die durch seinen Körper liefen. Dann legte ich meine Hand flach auf den Ansatz seines Hinterns. Seine Haut war kühl. Ich versuchte, mich zu entspannen und diese Entspannung auf ihn zu übertragen. Ich fuhr mit den Fingern die einladende Spalte entlang bis zu der Stelle, da sie zwischen seinen Beinen verschwand. Ich hörte ihn erstickt stöhnen und er öffnete seine Beine bereitwillig. Ich drehte mich rasch um und holte aus der Schublade meines Nachtschrankes Gleitmittel und ein Kondom. Ich wollte ihm auf keinen Fall weh tun. Ich tat das Notwendige und beugte mich über ihn. Diese wunderschönen Hügel. Das Ziel meiner Träume. Sanft drang ich mit einem Finger in ihn ein. Er war völlig entspannt und blieb es auch, was mich erstaunte und freute. Er war mir ausgeliefert und hatte sich selbst in diese wunderbare Lage gebracht. Er lag da und erwartete, was auch immer ich zu tun gedachte. Ich rollte mich auf ihn. Noch hielt ich mein Gewicht mit den Armen und Knien von ihm fern. Ich legte meinen Penis zwischen seine Backen, die Spitze direkt an den Eingang, mein Himmelreich. Vorsichtig drängte ich mich in ihn hinein. Je tiefer ich kam desto mehr entspannte er sich. Bald war ich ganz und gar von ihm umschlossen. Ich brachte alle Zurückhaltung auf, die mir möglich war. Er hatte sich inzwischen auf die Ellenbogen gestützt. Seine Schultern glänzten vor Schweiß. Ich beugte mich über ihn, biß zärtlich in seinen Nacken und leckte das Salz von seiner Haut. Ich konnte mich nicht länger beherrschen, mich nicht länger zurückhalten. Ich schob meine Arme unter seine Brust, ließ ihn mein Gewicht tragen. Er stöhnte, sein Körper verkrampfte sich. Nur noch eine Bewegung, noch eine, und ich kam. Tief in ihm. Mein erster Atemzug klang wie ein Schluchzen. Ich rollte mich zur Seite, ließ ihn nicht los, zog ihn mit mir. Wir blieben vereint und entspannten uns langsam. Ich spürte, daß ich mich aus ihm zurück zog und tastete nach dem Kondom. Mein anderer Arm war noch immer um ihm und er hielt ihn mit beiden Händen fest. "Ich liebe dich" flüsterte er kaum hörbar. "Ich liebe dich auch" flüsterte ich zurück. Und in diesem Augenblick war es die reine Wahrheit.

© A. Braatz